Andreas Knapp bei einer Rede gestikulierend.

Andreas Knapp

Ein geistlicher Dichter im Plattenbau

Bruder Andreas Knapp ist kein Ordensmann mit klassischer Laufbahn. Ein Blick auf seinen Lebenslauf verrät unvermittelt, welchen besonderen Weg er wählte. Er kehrte einer Kariere innerhalb der Kirche den Rücken, um sich für ein »Leben mitten in dieser Welt« zu entscheiden.

Sein Weg führte ihn bis in eine Plattenbausiedlung Leipzigs, wo er heute in brüderlicher Gemeinschaft im Orden der »Kleinen Brüder vom Evangelium« lebt und seinen Alltag als Saisonarbeiter, Geistlicher und Dichter mit »einfachen Menschen« verbringt. Er lebt und teilt seinen Glauben dort, wo Armut und Atheismus der Normalfall sind.

Zur Einfachheit berufen

Ehe Bruder Andreas seiner Berufung folgte und sich für diesen Weg entschied, schlug der 1958 in Hettingen (Baden-Württemberg) Geborene eine Priesterlaufbahn ein, welche auf eine mustergültige Karriere innerhalb der Kirchenhierarchie hinauslief:

Auf sein Theologiestudium in Freiburg und Rom folgte 1983 die Priesterweihe, im Anschluss daran noch die Promotion. Später war Andreas Knapp erst als Studentenpfarrer tätig, woraufhin er als Regens das Priesterseminar in Freiburg leitete und damit als einer der verantwortlichen Theologen für die Priesterausbildung des Erzbistums zuständig war.

Im Jahr 2000 schließlich sollte sich Andreas Knapps eingeschlagener Weg drastisch ändern. Er beschloss, sich dem Orden der »Kleinen Brüder vom Evangelium« anzuschließen. Dieser Orden führt ein Leben im Geiste Charles de Foucaulds (1858–1916), welcher als Vorbild der »Kleinen Brüder vom Evangelium« angesehen wird.

Die Mitglieder dieses überschaubaren Ordens von 80 Brüdern versuchen, ein kontemplatives Leben mit sozialem sowie mit pastoralem Engagement zu verbinden und dabei sowohl bei als auch mit den Menschen am Rande der Gesellschaft zu leben.

Ganz im Sinne der drei Leitlinien des Ordens führt Andreas Knapp ein brüderliches Leben in der Gemeinschaft, lebt und arbeitet mitten unter einfachen Menschen und lebt seinen Glauben im gemeinsamen Gebet sowie in Zeiten der Stille.

Diesem Ziel folgend, machte er sich nach Ordenseintritt auf nach Frankreich, wo der Orden zuhause ist, um später auch nach Italien und Bolivien zu ziehen und dort als Armer unter Armen zu leben.

Ordensleben im Sozialbau

Nach insgesamt fünf Jahren, in denen Bruder Andreas ein Leben in sozialen Brennpunkten in Paris, Neapel oder Cochabamba, Bolivien führte, kehrte er 2005 nach Deutschland zurück. Auch hier entschloss er sich, mit weiteren Mitgliedern der »Kleinen Brüder vom Evangelium« in einfachen Verhältnissen zu leben und die Nähe zu den Ärmsten, Benachteiligten oder einfachen Menschen zu suchen.

Die Wahl fiel auf eine Plattenbausiedlung mit 50.000 Einwohnern in Grünau im Westen Leipzigs. 90 % der Menschen dort sind nicht getauft oder nicht religiös – dementsprechend stellen auch Katholiken in dieser Gegend eine verhältnismäßig geringe Minderheit dar.

Andreas Knapp und seine Mitbrüder zogen dorthin, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen der ganz normalen Menschen zu teilen. Weg vom gehobenen Milieu, hin zum »Rand der Gesellschaft«. Teil eines solchen Lebens stellen neben dem gemeinschaftlichen Wohnen im Orden und dem Beten auch das Ausüben einfacher Berufe dar.

So arbeitete Bruder Andreas seitdem als Saisonarbeiter und Packer am Fließband in einem Versandbetrieb, während er sich bis heute zudem noch ehrenamtlich als Gefängnis-Seelsorger, Schulseelsorger im Montessori-Schulzentrum sowie in der Flüchtlingsarbeit engagiert.

Gott durch die Poesie begegnen

Seine freie Zeit nutzt Andreas Knapp zum Schreiben.

Sei es auf dem halbstündigen Weg von Leipzig-Grünau in die Innenstadt, beim Einkaufen im Supermarkt oder wenn ihm beim Meditieren im Andachtsraum ein Gedanke kommt – der kleine Schreibblock, auf dem er seine Gedanken und Verse festhält, ist immer mit dabei.

Noch zu seiner Zeit als Hochschulseelsorger kamen ihm die ersten Zeilen in den Sinn, die er zuerst im Gottesdienst einsetzte. Später verschenkte er Zusammenstellungen seiner Gedichte im Freundeskreis, ehe die ersten Veröffentlichungen in Zeitschriften folgten. Inzwischen zählt Andreas Knapp zu den bekanntesten spirituellen Lyrikern Deutschlands und kann auf eine Vielzahl von veröffentlichten Gedichtbänden und Büchern zurückblicken.

Predigten sind Gedichten gewichen, von denen Knapp meint, sie seien »eine gute Form, religiöse Erfahrung ins Wort zu bringen«. Seine Gedichte haben eine einfache Sprache und sind doch sehr gehaltvoll. Die darin enthaltenen Gedanken und Metaphern beschreiben Wirklichkeit in verschiedenen Facetten, regen zum Nachdenken und genauerem Hinsehen an.

Dabei kreisen die Texte um zahlreiche Themen. Mit seinen spirituellen Gedichten taucht der Leser ein in die große Bandbreite menschlichen Erlebens – mal sozialkritisch, mal selbstreflektiert. Sie lassen die Begegnung mit sich selbst, mit anderen Menschen und mit Gott durchscheinen und laden dazu ein, all dies durch die Sprache der Poesie zu entdecken.

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