Darstellung der heiligen Hildegard von Bingen mit Zweig und gefülltem Fläschchen in der rechten Hand und einem Buch gehalten links an der Brust.

Hildegard von Bingen

Die Fastenexpertin

Wer war Hildegard von Bingen?

Hildegard von Bingen gilt als eine der herausragendsten Frauengestalten des deutschen Mittelalters und kann zurecht als Universalgelehrte bezeichnet werden. Ihr umfangreiches Werk, das Hildegard der Nachwelt hinterlassen hat, galt der Beschäftigung mit Themen wie Mystik, Medizin, Kosmologie, Musik, Religion und Ethik.

Darstellung der heiligen Hildegard von Bingen mit Zweig und gefülltem Fläschchen in der rechten Hand und einem Buch gehalten links an der Brust.

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Was ist »Hildegard-Fasten«?

Das naturheilkundliche Wissen der heiligen Hildegard von Bingen, welches hauptsächlich auf Pflanzen und Edelsteinen sowie auf einer ganzheitlichen Betrachtungsweise des Menschen basiert, ist heute ebenso aktuell wie schon zu ihren Lebzeiten vor 1.000 Jahren.

So entsprechen auch ihre Empfehlungen zu maßvoller und ausgewogener Ernährung unseren modernen Erkenntnissen: Fastenkuren nach den Lehren der heiligen Hildegard haben nicht nur die heute vielfach propagierte körperliche Reinigung (Entschlackungskur) zum Inhalt, sondern auch die geistige Einkehr (Konzentration nach Innen), die den Geist klar werden lässt, im Fokus der Betrachtung. Mittels dieser spirituellen Dimension des Fastens kann der Mensch den Zugang zur Seele finden und mit sich selbst in Einklang kommen.

Das Heilfasten nach Hildegard von Bingen ist ein ganzheitliches Fasten von Leib und Seele. Zudem ist es ein sanftes Fasten, welches mit viel Ruhe und Besinnlichkeit begleitet wird. Ein solches Fasten dient der Heilung des Leibes und der Seele gleichermaßen. Der Mensch als Ganzes muss in diesen Prozess hineingenommen werden.

Das sogenannte »Hildegard-Fasten« erfreut sich bereits seit einigen Jahren immer größerer Bekanntheit. Entwickelt wurde es ausgehend von der »Hildegard-Medizin«, die vom Konstanzer Arzt Dr. Gottfried Hertzka begründet wurde. Das Hildegard-Fasten entstand auf Grundlage eines strengen Fastens, wobei hierfür besonders ausgewählte Substanzen aus der Medizin der heiligen Hildegard von Bingen verwendet werden, die sich als besonders sinnvoll erwiesen hatten.

In Anlehnung an die Ernährungslehre der Hildegard von Bingen werden auch beim Hildegard-Fasten bestimmte Kräuter und Gewürze sowie ausgesuchte Lebensmittel wie Dinkel, Sellerie, Edelkastanie und Fenchel hervorgehoben. Von bestimmten Lebensmitteln, die von der heiligen Hildegard als krankmachende »Küchengifte« charakterisiert wurden, wird abgeraten.

Nur wenige Menschen wissen jedoch, dass es nicht Hildegard von Bingen selbst war, die eine konkrete Fastenmethode entwickelte. In ihrer Medizin und Ernährungslehre lassen sich keine Hinweise auf Anleitungen zum Fasten finden, sondern lediglich auf eine bekömmliche und maßvolle Ernährungsweise. Das Fasten erwähnt die heilige Hildegard ausschließlich in ihrem Werk »Liber vitae meritorum« (»Buch der Lebensverdienste«), ihrem zweiten Visionswerk, in dem die positiven wie auch negativen Einstellungen und Verhaltensweisen und in ihrer Konsequenz auch das Gelingen und Scheitern des Lebens thematisiert werden. Darin empfiehlt die heilige Hildegard, Fasten als begleitende Übung zu praktizieren, wenn man sich von einem »Laster«, also einer geistigen Gefangenschaft befreien möchte, um zu einer »Tugend«, zu Freude und Lebenskraft zurückfinden zu können.

Ein rein medizinisch begründetes, nur auf den Körper ausgerichtetes Fasten gibt es bei Hildegard von Bingen nicht. Als christliche Mystikerin bietet sie eine umfassendere Begründung für das Fasten, die sich auf das ganzheitliche, sowohl seelische als auch körperliche Wohlergehen des Menschen bezieht.

Ernährungstipps von Hildegard von Bingen

Auswahl an Lebensmitteln: Linsen, Bohnen, Aubergine, Rosenkohl, Granatapfel, grüne Bohnen, Brokkoli, Petersilie, Heidelbeeren, Pak Choi, Avocado, Zitrone, Getreide, Zucchini, Cranberries, Mandeln, Ingwer, Gojibeeren, Champignons, Chiasamen, Apfel, Kürbiskerne

Ernährungstipps nach Hildegard von Bingen

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Anleitung zur klassischen Fastenkur nach Hildegard von Bingen

  • Vorbereitung: Zur Vorbereitung auf das eigentliche Fasten soll man bereits 3 bis 4 Tage vorher den Körper darauf einstimmen, indem dieser auf die Einnahme von leicht verträglichen Nahrungsmitteln umgestellt wird. Hierzu empfiehlt es sich viel Obst, Gemüse (am besten gedünstet), Dinkel, Tees (besonders Fencheltee) oder klare Suppen zu sich zu nehmen. Verzichten sollte man auf Milchprodukte (z. B. Käse, Milch, Joghurt), Alkohol, Kaffee, Fleisch und auch Fisch.
  • Darmentleerung: Zu Beginn des eigentlichen Fastens muss nun noch der Darm entleert werden. Dies kann entweder mit Hilfe von Ingwergranulat (von Hildegard empfohlen!), Einläufen oder durch Glaubersalz, welches in lauwarmen Wasser aufgelöst und anschließend getrunken wird, erreicht werden.
  • Fasten – Phase 1: In dieser Phase, die 1 bis 2 Tage dauert, nimmt man vor allem Dinkelprodukte (Dinkelbrot, Dinkelbrei, Dinkelsuppe etc.), Obst, Gemüse, Wasser sowie Fencheltee und Kräutertees (auch Dinkelkaffee in kleinen Mengen ist erlaubt) zu sich. Wie bei jeder anderen Fastenkur ist es auch beim Hildegard-Fasten wichtig, sich um eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeiten zu kümmern.
  • Fasten – Phase 2: Diese zweite Phase dauert bis zu 5 Tagen an und es werden dabei überhaupt keine festen Nahrungsmittel eingenommen. Besonders Dinkel-Gemüsebrühe und Fencheltee sollen während dieser Phase eingenommen werden, da sie ausgleichend auf den Säure-Basen-Haushalt des Körpers wirken. Zudem empfiehlt Hildegard jedem Fastenden eine Flasche Herzwein bereit zu halten. Dieser Petersilien-Honig-Wein hilft bei Herzschmerzen, Schwächezuständen und niedrigem Blutdruck, denn häufig kann es während einer Fastenkur zu Kreislaufschwächen oder einem Absinken des Blutzuckerspiegels kommen.

So könnte ein Fastentag aussehen

  • Morgens: Dinkelkaffee (ohne Milch!) oder Fencheltee (kann mit etwas Honig gesüßt werden)
  • Mittags: Dinkel-Gemüsesuppe und Tee
  • Abends: klare Gemüsesuppe und Tee
  • Aufbautage: Während dieser Phase, die in der Regel 2 bis 3 Tage dauert, soll sich der Körper wieder allmählich an eine normale Kost gewöhnen. Hierzu sind leicht verträgliche Nahrungsmittel empfohlen wie Suppen, Obst, Gemüse (gedünstet), gekochte Dinkelflocken mit Obst und Gewürzen (Zimt, Bertram), Dinkel-Aufstriche etc.

Während des Fastens soll man ein- bis zweimal täglich eine Fastensuppe zu sich nehmen; dazu werden Dinkelkörner, Gemüse, grüne frische Kräutern sowie Gewürze abgekocht und anschließend warm aufgetischt.

  • Wärme - Hildegard von Bingen empfiehlt während des Fastens den Körper warm zu halten (warme Sachen tragen, Wärmeflasche, ordentlich heizen).
  • Innere Stimme - Die heilige Hildegard schreibt: »Wir müssen auf die Stimme unserer Seele hören, wenn wir gesunden wollen.«
  • Meditation - Laut Hildegard ist es wichtig, während des Fastens regelmäßig zu meditieren, um auf diese Weise den Geist zu beruhigen.

Lebensregeln nach der heiligen Hildegard

Nach Hildegard von Bingen lassen sich sechs goldene Lebensregeln herleiten, mit deren Hilfe ein Mensch gesund, ausgeglichen und zufrieden leben kann:

  • Schöpfen Sie Lebensenergie aus den vier Weltelementen Feuer, Wasser, Erde und Luft. Dies können Sie beispielsweise mittels positiver Naturerlebnisse und natürlicher Heilmitteln erreichen.
  • Suchen Sie sich Ihre Lebensmittel danach aus, ob sie nützliche Kräfte für den Menschen besitzen. Geben Sie dabei Obacht auf Feinheiten der Nahrungsmittel sowohl beim Essen als auch beim Trinken.
  • Führen Sie Ihr Leben in einem gesunden Gleichgewicht von Bewegung und Ruhe.
  • Halten Sie ein rechtes Maß zwischen Wachen und Schlafen, um auf diese Weise überstrapazierte Nerven zu regenerieren.
  • Fördern Sie das Ausleiten von Verunreinigungen und Schadstoffen aus dem Bindegewebe des Körpers, was Sie mittels Fasten, Purgieren usw. erreichen.
  • Stabilisieren Sie Ihre seelischen Abwehrkräfte, indem Sie die eigenen Schattenseiten erkennen und versuchen, diese durch heilende Schutzfaktoren auszugleichen (Laster entsprechen Risikofaktoren und Tugenden den Schutzfaktoren).

Quellen

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