Engel-Anhänger aus Baumrinde auf Notenpapierrolle

»Adeste Fideles« – Weihnachtslied

Entstehung und Bedeutung des Liedtextes

Das Lied »Adeste Fideles« zählt zu den bekanntesten international verbreiteten Lieder, das zu Weihnachten gesungen wird. Erfahren Sie hier Wissenswertes über die Entstehung und Bedeutung der Strophen des Weihnachtsliedes, seine Rolle in der Liturgie – und hören Sie sich an, wie schön Melodie und Text klingen!

Bedeutung

Das lateinische Strophenlied »Adeste Fideles« gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Weihnachtsliedern im deutschsprachigen Raum und in der Welt, da es u.a. in der Popmusik immer wieder neu vertont wird. Das Lied besteht aus insgesamt vier Strophen und hat die Geburt des Heilands Jesus Christus zum Thema.

Der Titel »Adeste Fideles« leitet sich von den lateinischen Anfangsworten der ersten Strophe ab: lat. adeste = erscheint, kommt; lat. fidelis = gläubig, treu. Der Titel spiegelt somit die Aufforderung Jesu Geburt zu feiern wider. Sucht man eine deutschprachige Version des Liedes, so findet man gleich zwei relevante Übersetzungen: »Nun freut euch, ihr Christen« von Joseph Hermann Mohr wird zumeist im katholischen Kirchengesang bevorzugt, während »Herbei, o ihr Gläub'gen« von Friedrich Heinrich Ranke im evangelischen Raum verbreiteter ist.

Entstehung der Varianten

Wieso es von »Adeste Fideles« mehrere Textvarianten gibt, hat auch mit der strittigen Entstehung des Liedes zu tun: Allein schon die Herkunft der Melodie gilt als ungeklärt, ebenso unterscheiden sich die vermeintlichen Urfassungen im Lateinischen. Vermutlich wurde es um das Jahr 1743 von John Francis Wade (1711-1786) komponiert, aber als wissenschaftlich gesichert gilt das aufgrund mangelnder Belege nicht. Daher schreiben einige Musikwissenschaftler die Melodie sowie den lateinischen Text dem französischen Priester Abbé Étienne-Jean-François Borderies (1774 -1832) und wieder andere dem englischen Organisten John Reading (1645–1692) zu.

Aus der sogenannten »französischen Tradition« von »Adeste Fideles« heraus, die sich auf eben jenen Priester Borderies als Urheber beruft, entstand dann im 19. Jahrhundert die deutsche Übersetzung nach Joseph Herrmann Mohr, die man heute noch im Gotteslob findet. Da über die Urheberschaft allerdings nicht nur heute, sondern auch schon damals Unklarheit herrschte, entstand zeitgleich die »englische Tradition« von »Adeste Fideles«. Sie folgt dem oben erwähnten John Francis Wade und beruft sich auf sein 1760 in den »Evening Offices of the Church« veröffentlichtes Manuskript, das sowohl die Melodie als auch den lateinischen Text von »Adestes Fideles« enthält. Aus diesem Manuskript entwickelte sich die englische Übersetzung des Textes, u.a. von Frederick Oakeley und Thomas Brooke, die letztlich zur deutschsprachigen Übersetzung von Friedrich Heinrich Ranke führt und sich auch heute noch im Evangelischen Gesangbuch findet.

Moderne Interpretationen

An Popularität hat dieses Weihnachtslied indes  - trotz unterschiedlicher Variationen - kaum etwas eingebüßt: Ob Schlager, Pop, Castingshow oder Liedermachergut - an »Adeste Fideles« finden auch heute noch die unterschiedlichsten MusikerInnen Gefallen. So spielte u.a. Helene Fischer „Adeste Fideles“ im Jahr 2019 ein, während im selben Jahr eine katholische Kirchenchorsängerin die Fernsehshow „The Voice - Senior“ mit einer Version des bekannten Weihnachtsliedes gewann. Auch Bob Dylan, Enya und weitere PopsängerInnen nahmen »Adeste Fideles« in verschiedenen Übersetzungen und Variationen in ihr Repertoire auf und sorgen damit bis heute für den außerordentlichen Bekanntheitsgrad des Weihnachtslieds.

Der Text von »Adeste Fideles«

Lateinischer Text  
nach französischer Tradition

Adeste fideles
laeti triumphantes 
Venite, venite
in Bethlehem
Natum videte
Regem angelorum:
Venite adoremus
venite adoremus,
venite adoremus
Dominum!

En grege relicto
humiles ad cunas
vocati pastores
approperant:
Et nos ovanti gradu
festinemus.
Venite adoremus
Dominum.



Aeterni parentis
splendorem aeternum
velatum sub carne
videbimus,
Deum infantem
pannis involutum.
Venite adoremus
Dominum.


Pro nobis egenum
et foeno cubantem
piis foveamus
amplexibus.
Sic nos amantem
quis non redamaret?
Venite adoremus
Dominum.

 

Deutsche Übersetzung   
nach Joseph Hermann Mohr (1832 -1884)

Nun freut euch, ihr Christen,
singet Jubellieder
und kommet, o kommet
nach Betlehem.
Christus der Heiland
stieg zu uns hernieder.
Kommt, lasset uns anbeten
den König, den Herrn.

 

O sehet, die Hirten
eilen von den Herden
und suchen das Kind
nach des Engels Wort;
gehn wir mit ihnen,
Friede soll uns werden.
Kommt, lasset uns anbeten
den König, den Herrn.


Der Abglanz des Vaters,
Herr der Herren alle,
ist heute erschienen
in unserm Fleisch;
Gott ist geboren
als ein Kind im Stalle.
Kommt, lasset uns anbeten
den König, den Herrn.

Schaut, wie er in Armut
liegt auf Stroh gebettet,
o schenken wir
Liebe für Liebe ihm!
Jesus, das Kindlein,
das uns all errettet:
Kommt, lasset uns anbeten
den König, den Herrn.

Lateinischer Text
nach englischer Tradition

 Adeste fideles
laeti triumphantes,
Venite, venite
in Bethlehem.
Natum videte
Regem angelorum.
Venite adoremus
Dominum.



Deum de Deo,
lumen de lumine
Gestant
puellae viscera.
Deum verum,
genitum non factum.
Venite adoremus
Dominum.


Cantet nunc ‘Io’
chorus angelorum;
Cantet nunc
aula caelestium,
Gloria!
Soli Deo Glori
Venite adoremus
Dominum.


Ergo qui natus
die hodierna,
Jesu,
tibi sit gloria,
Patris aeterni
Verbum caro factum.
Venite adoremus
Dominum.
 

Deutsche Übersetzung
nach Friedrich Heinrich Ranke (1798 -1876)

 Herbei, o ihr Gläub’gen,
fröhlich triumphieret,
o kommet, o kommet
nach Bethlehem!
Sehet das Kindlein,
uns zum Heil geboren!
O lasset uns anbeten
den König!



Du König der Ehren,
Herrscher der Heerscharen,
verschmähst nicht
zu ruhn in Marien Schoß,
Gott, wahrer Gott
von Ewigkeit geboren.
O lasset uns anbeten
den König!


Kommt, singet dem Herren,
singt, ihr Engelchöre!
Frohlocket, frohlocket,
ihr Seligen:
Ehre sei Gott
im Himmel und auf Erden!
O lasset uns anbeten
den König!

Ja, dir, der du heute
Mensch für uns geboren,
Herr Jesu,
sei Ehre und Preis und Ruhm,
Dir, fleischgewordnes
Wort des ewgen Vaters!
O lasset uns anbeten
den König! 

 

 

»Adeste Fideles« in der Liturgie

Im Gotteslob findet sich die lateinische Fassung in der französischen Tradition von »Adeste Fideles« unter der Nr. 242 sowie eine deutsche Übertragung des Liedes unter Nr. 241 (GL alt 143) mit dem Titel »Nun freut euch, ihr Christen« von Joseph Hermann Mohr. Im Evangelischen Gesangbuch ist, wie schon genannt, unter Nr. 45 eine deutsche Fassung von Friedrich Heinrich Ranke enthalten.

Gelegentlich wird das Lied auch als Portugiesischer Choral bezeichnet, da es oft in der Kapelle der portugiesischen Botschaft in London gesungen wurde.