Bronzeskulptur Luthers mit aufgeschlagenem Buch.

Als Katholik die Reformation feiern?

Das Reformationsjubiläum 2017 soll ein Statement für die Ökumene sein

Der Anspruch: Gemeinsame Wurzeln freilegen

Der 31. Oktober 1517 spaltet die Kirche – und er spaltet seitdem auch die Glaubenspraxis. Die protestantischen Christen in Deutschland begehen ihn als Feiertag, bei den Katholiken sorgen das Datum und seine Folgen meist für Bedauern. Bedauern, dass aus einer Einheit zwei Lager wurden, dass die Geschichte viele Unstimmigkeiten und Konflikte brachte. Bedauern auch darüber, dass eine Einheit so ohne Weiteres nicht wieder möglich wurde.

Natürlich gemischt mit einer Prise Argwohn: Da kommt einer daher, der nach 1500 Jahren Christentum meint, die Bibel besser verstanden zu haben als alle anderen. Über Jahrhunderte gewachsene Traditionen bringt er ohne Rücksicht durcheinander.

Angekommen in der Gegenwart

Umso mehr vielleicht eine gute Idee, das Reformationsgedenken 2017 – so nennen es katholische Kreise – als ökumenisches Fest begehen zu wollen. »Die Reformation trennt uns nicht mehr«, sagt Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD. Das Jubiläum solle ein »Christusfest« werden – denn um Christus sei es schließlich auch Luther zu tun gewesen. Aber geht das so einfach?

»Es kommt heute darauf an, den Glauben an Jesus Christus gemeinsam zu profilieren«, sagt auch der katholische Theologe Wolfgang Thönissen. Hier sind sich Katholiken und Protestanten also einig. Luthers Gedanken seien in dieser Hinsicht auch für katholische Gläubige wichtig – eine Auseinandersetzung damit mehr als sinnvoll.

Gerade in gesellschaftlichen Belangen sei es wichtig, dass die großen Kirchen Deutschlands zusammenstünden. Das heißt nicht, dass deshalb alle Fragen und Unterschiede automatisch aus der Welt sind. Aber Zusammenarbeit beginnt immer mit einem Dialog.

Reformation und Reformationsfeier im Überblick

Um dieses Anliegen zu verstehen, muss man natürlich beim Anfang beginnen: Wir stellen Ihnen im Folgenden vor, was Luther mit seinen Schriften eigentlich bewirken wollte und weshalb sie auch für Katholiken interessant sind.

Hier stellen wir Ihnen die wichtigsten Schriften Luthers, die es sich zu lesen lohnt, genauer vor. Wir zeigen, was es für Gemeinsamkeiten gibt – und weshalb das Reformationsjubiläum deshalb eine Chance sein kann, ein Zeichen für die Ökumene zu setzen.

Die Umsetzung: Reformationsfeier als Christusfest begehen

Papst Benedikt XVI. hat schon bei seinem Besuch 2011 im Augustinerkloster in Erfurt deutlich gemacht: Das theologische Gedankengut Luthers kann auch für die katholische Glaubenslehre und den katholischen Glauben wichtige Einsichten liefern. Neben seiner besonderen Wertschätzung der Heiligen Schrift ist das vor allem Luthers Konzentration auf Jesus Christus als Maß und Orientierungspunkt des christlichen Lebens.

Das sind Punkte, an denen auch katholische Gläubige anknüpfen können: »[W]enn wir Jesus Christus als die Mitte unseres gemeinsamen Glaubens  feiern und uns darum bemühen, in seiner Nachfolge zu wachsen, und gemeinsam um seine Frohe Botschaft ringen, dann kommen wir uns auch einander näher«, schreibt dazu Gerhard Feige, Bischof von Magdeburg.

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Ökumene als Lernprozess

Sich auf gemeinsame Wurzeln besinnen, ist wichtige Erinnerungsarbeit. Eine Arbeit, die dabei hilft, das theologische Gedächtnis der Kirche zu bewahren – und zur zeitgemäßen Erinnerungskultur werden zu lassen. Ein ökumenisches Ansinnen soll dabei helfen, die vorhandenen einenden Aspekte zu stärken.

Dem Katholizismus wie dem Protestantismus eröffnet sich so die Chance, voneinander zu lernen, Selbstvergewisserung zu erfahren, einander zu zeigen, was für die jeweilige Kirche wichtig ist, ohne sich dabei abzuschotten.

»Ökumene ist nicht nur reiner Informationsaustausch, sondern wird im besten Falle zu einem Lernprozess, der zu einer wechselseitigen Bereicherung führt.«, so Feige weiter – sie brauche Geduld, Zuwendung und Verständnis. Dabei sollten auch negative Aspekte, die die Reformation mit sich gebracht hat, nicht vergessen werden: Aufarbeitung der Schuldgeschichte und anschließende Buße sind laut Feige wichtige Elemente des Reformationsjubiläums. Am Ende könne die allmähliche Heilung der Erinnerung stehen, und damit ein deutliches Zeichen der Versöhnung.

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