Heinrich Schütz Haus in Dresden

Heinrich Schütz

Der bedeutendste Musiker des 17. Jahrhunderts

Lange bevor Bach und Händel überhaupt bekannt wurden, galt Heinrich Schütz bereits als »Vater der modernen Musik«. Seine bekannten geistlichen Werke werden heute noch regelmäßig von den Kirchenchören gesungen. Erfahren Sie hier mehr über den berühmten Komponisten.

Wer war Heinrich Schütz?

Heinrich Schütz war ein sächsischer Komponist des Frühbarocks am Hofe des Kurfürsten Georg I. Er wurde berühmt für seine geistlichen, mehrchörigen Werke. Weiterhin ist seinen Kompositionen dafür sorgte, dass die deutsche Sprache in der Musik an Bedeutung gewann.

Sein Leben und Wirken

Kindheit und Jugend

Heinrich Schütz wurde am 8. Oktober 1585 in Köstritz nahe Gera als zweites von insgesamt acht Kindern des Ehepaares Christoph und Euphrosyne Schütz (geb. Bieger) geboren. Die Familie führte zu dieser Zeit den dortigen Gasthof »Goldener Kranich«. Fünf Jahre später erwarb der Vater in Weißenfels – einer für damalige Verhältnisse großen Stadt ein anderes Gasthaus, welches er später »Zum Schützen« nannte. Christoph Schütz galt als ein geachteter Mann und wurde drei Jahre in Folge zum Bürgermeister gewählt. So verbrachte Heinrich seine Kindheit und Jugend in relativem Wohlstand.

Eine schicksalhafte Begegnungen

Die Entdeckung seines musikalischen Talent verdankte Heinrich Schütz einem Zufall. Als 1597 ein »convivum« - ein Treffen des neu gegründeten Collegiums Musicums in Weißenfels stattfand, übernachtete der Landgraf Moritz von Hessen-Kassel im Gasthof der Familie Schütz. Dort traf er das erste Mal auf Heinrich, welcher im Chor des Collegiums mitwirkte. Beeindruckt von dessen Gesangskünsten, beschloß er den Knaben zu fördern und ermöglichte ihm einem Platz im nach ihm benannten Internat »Collegium Mauritianum«. So kam es, dass Heinrich Schütz ab 1598 die Grundlagen des Musikerberufes beim damaligen Hofkapellmeister Georg Otto lernte. Er galt als talentierter Schüler und erhielt neben Musik auch Unterricht in Naturwissenschaften, Mathematik, Theologie und Sprachen. Auch Fächer wie Kenntnisse über die Jagt, Manieren und Etikette standen auf dem Lehrplan. Schütz erhielt also eine umfassende und breitgefächerte Bildung, welche für eine Anstellung bei Hofe von großem Nutzen sein sollte. Da es zur Zeit des Frühbarocks für Musiker jedoch nur zwei mögliche Anstellungsorte, am Hofe und in der Kirche, gab, drängten Heinrichs Eltern ihn, sich noch eine Alternative zu suchen. So begann er im September 1609 mit Erlaubnis des Landgrafen ein Jurastudium in Magdeburg.

Um Schütz als begabten Musiker nicht zur verlieren, ermöglichte Moritz von Hessen-Kassel ihm zudem ein musikalisches Studium in Venedig bei einem der damals wohl wichtigsten Musiker der Welt, dem Organisten des Markusdoms Giovanni Gabrieli (1557 – 1612). Von ihm lernte Heinrich die modernen Kompositionstechniken, besonders die des mehrchörigen Satzes (cori spezzati). Die »Abschlussarbeit« seines Studiums gilt sogleich sein erstes Werk »Primo libro di madrigali« (das Erste Buch der Madrigale).

1613 kehrte Heinrich Schütz schließlich nach Kassel zurück, wo er zunächst eine Stelle als »Zweiter Organist und Prinzenerzieher« erhielt. Durch eine Reise mit Moritz von Hessen-Kassel kam er später an den Hof des Kurfürsten Georg I. von Sachsen,welcher ebenfalls von Heinrichs großem musikalischen Talent begeistert war und zwar so sehr, dass er ihn als Kapellmeister bei sich anstellen wollte. So arbeitete Schütz zunächst für zwei Monate in Dresden. Als der Kurfürst ihn dann jedoch nicht mehr nach Kassel zurücklassen wollte, entbrannte eine diplomatische Auseinandersetzung zwischen dem Landgrafen und dem Kurfürsten um den talentierten Musiker, welche der Kurfürst gewann. Das führte dazu, dass Heinrich ab dem 12. Februar 1617 offiziell angestellter Hofkapellmeister am Dresdner Hof wurde und als solcher für die gesamte Hofmusik sowie die Ausbildung der Chorknaben in Gesang, musikalischer Theorie und Orchesterspiel verantwortlich war. Darüber hinaus schrieb er noch zahlreiche Kompositionen, unter anderem auch für Werke mit bis zu vierstimmiger Chorbesetzung, die 1619 unter dem Titel »Psalmen Davids« erschienen und zu Ehren des 100. Jahrestages der Reformation in Teilen uraufgeführt wurden.

Der 30-jährige Krieg (1618-1648)

Als 1618 der 30-jährige Krieg ausbrach, betraf dies Schütz zunächst nicht. Er komponierte in dieser Zeit drei Stücke für Hochzeiten und erhielt des Weiteren den Auftrag, zusammen mit Samuel Scheidt und Michael Praetorius eine Neuordnung der Magdeburger Dommusik vorzunehmen. Dass man Schütz und sein musikalisches Talent zu schätzen wusste, belegte auch die Einladung nach Bayreuth, wo er gebeten wurde die neue Orgel abzunehmen und auf ihr zur Probe zu spielen. Erneut teilt er sich diese Aufgabe mit Praetoris und Scheidt, sowie Johann Staden.

1619 vermählte Heinrich Schütz sich mit der Tochter des kurfürstlichen Finanzverwalters, der 18-jährigen Anna Magdalena Wildeck (1601-1625), mit der er eine glückliche Beziehung führte und die ihm 1621 seine erste Tochter Anna Justina gebar.

Doch leider konnte er sein neues Familienglück nicht genießen, da er nun auch langsam die Auswirkungen des Krieges zu spüren bekam: Georg I. versuchte sowohl dem katholischen Kaiser Ferdinand die Treue zu halten, als auch eine freundschaftlich-neutrale Haltung gegenüber den protestantischen Ständen Böhmens zu wahren. Dieses Verhalten trieb den Dresdner Hof an seine finanziellen Grenzen. Die heikle Situation erkennend, bewarb sich Schütz nach der Geburt seiner zweiten Tochter Euphrosyne 1623 in mehreren Städten für eine neue Stelle – überall mit höflicher Absage. Auch in den folgenden Jahren hielt seine Pechsträhne an: 1625 vollendete Heinrich Schütz zwar sein viertes großes Werk »Contiones Sacrae«, jedoch konnte er sich nicht über seinen Erfolg freuen, da sein geliebte Ehefrau Anna Magdalena bei einer Pockenepidemie starb.

Im Jahr darauf komponierte er die Musik zur ersten deutschen Oper »Dafne» von Martin Opitz (1597 – 1639). Leider existiert heute nur noch der Text des Stückes, die Noten sind verschollen.

In den folgenden Jahren verschärfte sich die Situation des 30-jährigen Krieges zunehmend. Als schließlich 1928 seine Gehaltszahlungen nur noch unregelmäßig ankamen, reiste Schütz nach Venedig zu einem musikalischen Austausch mit Monteverdi. 1629 kehrte er nach Dresden zurück und veröffentlichte den ersten Teil seiner großen Sammlung »Symphoniae Sacrae«.

1631 war für Schütz sowohl musikalisch als auch persönlich ein schlechtes Jahr. Sein Dienstherr Johann Georg I. trat nun dem Krieg auf protestantischer Seite bei. Im selben Jahr starben zuerst sein Vater,kurz darauf auch sein Schwiegervater und mehrere Mitglieder der sächsischen Hofkapelle. Aufgrund der brisanten Lage arbeitete Heinrich Schütz von 1633 bis 1635 als Kapellmeister am Kopenhagener Hof, da es dort ungefährlicher war. Auch hier wurde sein musikalisches Talent sehr geschätzt. So erhielt er 1635 von dem dänischen König Christian IV den Auftrag, für die Beerdigung von Heinrich Reuß postumus musikalische Exequien zu komponieren. Außerdem übertrug man ihm Leitung für die Hochzeit des Kronprinzen Christian mit der sächsischen Prinzessin Magdalena Sibylla.

Nach seiner Rückkehr an den Dresdner Hof war die Dresdner Hofkapelle immer noch in einem bemitleidenswerten Zustand. Aufgrund dieser verringerten Chor- und Instrumentalbesetzung, passte Schütz seine Werke entsprechend an und es entstanden die »Kleinen geistlichen Konzerte«, welche nur mit Solisten und der Begleitung von Klavier- oder Theorbe aufgeführt werden konnten. In den folgenden Jahren musste Heinrich Schütz zudem mehrere familiäre Schicksalsschläge verkraften: Gleich im Jahr seiner Rückkehr starb seine Mutter Euphrosyne Schütz, zwei Jahre darauf sein Bruder Georg und 1638 starb seine älteste Tochter Anna Justina mit gerade einmal 17 Jahren.

Nach ein drei Jahren als musikalischer Berater in Hannover am Hofe von Georg von Calenberg, an dem er die dortige Hofkapelle reorganisieren sollte, brach Schütz 1642 schließlich erneut nach Kopenhagen auf – dieses Mal in Begleitung von seinen Schülern Matthias Weckmann, Philipp Stolle, Friedrich Werner und Andreas Gleich, die später selbst zu bekannten Musikern werden sollten. In seiner Zeit in Dänemark komponierte Schütz die Musik für die Doppelhochzeit der Zwillingstöchter Christian IV. und schrieb sein Werk »Symphoniae Sacrae II«.

Gleichzeitig mit dieser Hochzeit seiner jüngsten Tochter Euphrosyne 1648 und dem Ende des Westfälischen Frieden zu Münster endete auch der 30-jährige Krieg. Heinrich Schütz war nun auf dem Höhepunkt seines Bekanntheitsgrades und wurde als bester deutscher Musiker und als »parens nostrae musicae modernae« (Vater unserer modernen Musik) bezeichnet.

Ruhestand und Tod

Am 21. Mai schrieb Schütz, nun inzwischen 60 Jahre alt, sein erstes Pensionsgesuch nach Dresden, erhielt jedoch weder auf dieses noch auf ein zweites Schreiben eine Antwort. Ab 1651 bat er noch mehrfach um die Versetzung in den Ruhestand, welche ihm jedoch erst 1657 nach dem Tod Georg I. gewährt wurde. Seinen letzten Lebensjahre verbrachte er zusammen mit seiner Schwester Justina in Weißenfels, wo er mehrere seiner bekanntesten Werke wie die »Weihnachtshistorie« (1662) und die Passionen von Lukas (1664), Johannes (1665) und Matthäus (1666) verfasste.

Am 6. November 1672 starb Heinrich Schütz schließlich im hohen Alter von 87 Jahren in Dresden und wurde in der Frauenkirche beigesetzt, wo heute noch eine Gedenktafel an ihn erinnert.

Originalnoten von Heinrich Schütz als Briefmarke

Was komponierte Heinrich Schütz?

  • Il primo libro de Madrigali SWV 1-19 (1611)

  • Psalmen Davids (1619)

  • Moteten und Konzerte SWV 22-47 mit (1619)

  • Syncharma Musicium SWV 49 (1621)

  • Auferstehungshistorie SWV 50 (1623)

  • Cantiones sacrae SWV 53-93 (1625)

  • Oper Dafne (1627) → nur der Text erhalten

  • Dialogo per la Pascua SWV 443 (1627)

  • Beckerscher Psalter SWV 97a-256a (1628)

  • Symphoniae Sacrae I SWV 257-276 (1629)

  • Musikalische Exequien SWV 279-281 (1636)

  • Kleine geistliche Konzerte I SWV 282-305 (1636)

  • Kleine geistliche Konzerte II SWV 306-337 (1639)

  • Die sieben Worte Jesu am Kreuz SWV 478 (1645)

  • Symphoniae Sacrae II SWV 341-367 (1647)

  • Geistliche Chormusik SWV 368-397 (1648)

  • Symphoniae Sacrae III SWV 398-418 (1650)

  • Zwölf geistliche Gesänge SWV 420-431 (1657)

  • Revidierte Fassung des Beckerschen Psalter SWV 97-256 (1661)

  • Weihnachtshistorie SWV 435a (1662)

  • Weihnachtshistorie SWV 435 (1664)

  • Lukas-Passion SWV 480 (1664)

  • Johannes-Passion SWV 481a (1665)

  • Matthäus-Passion SWV 479 (1666)

  • Schwanengesang SWV 482-494 (1671)