Johann Sebastian Bach

Johann Sebastian Bach

Komponist - Thomaskantor - Orgelvirtuose

Johann Sebastian Bach zählt zu den bedeutendsten Musikern und Komponisten des Barock. Vor allem seine großen Werke der Kirchenmusik erfreuen sich noch heute großer Beliebtheit. Besonders bekannt wurde Bach unter anderem für seine Leistungen als Thomaskantor in Leipzig. 2023 jährt sich der Antritt dieser Position zum 300. Mal – Grund genug, um an das Leben und Wirken des berühmten Komponisten zu erinnern.

Sein Leben & Wirken

Kindheit & Jugend

Johann Sebastian Bach wurde am 21. März (julianischer Kalender) bzw. am 31. März (nach gregorianischem Kalender) des Jahres 1685 in Eisenach als jüngstes von acht Kindern geboren. Die weitverzweigte Familie verdiente bereits seit mehreren Generationen ihren Lebensunterhalt als Musiker. So auch Bachs Vater Johann Ambrosius, welcher als Rats- und Stadtmusiker (Stadtpfeifer) arbeitete.
In Eisenach besuchte Johann Sebastian ab 1693 die dortige Lateinschule. Doch als in den zwei Folgejahren in kurzen Abständen erst die Mutter und später der Vater starben, nahm Bachs ältester Bruder, der damals 24-jährige Johann Christoph, ihn und den zweitjüngsten Bruder zu sich nach Ohrdruf – dort arbeitete er als Organist an der St. Michaeliskirche.

Johann Sebastian Bach besuchte in Ohrdruf ebenfalls die Lateinschule – eine damals hoch angesehene Bildungseinrichtung des Herzogtums Sachsen-Gotha. Dort lernte er nicht nur Geschichte, Latein, Griechisch und Mathematik, sondern sang ebenso im Schulchor mit, zu dessen Aufgaben unter anderem auch das Kurrendesingen gehörte. Außerdem brachte ihm sein Bruder Johann Christoph das Orgelspielen bei. Dankbar darüber widmete er dem Älteren eine Klavierkomposition (Capriccio E-Dur, 1704).

Als er 15 Jahre alt war vermittelte Bachs Musiklehrer Elias Herda ihm ein Stipendium für Begabte an der Partikularschule des Michaelisklosters in Lüneburg. Dort erhielt er auch seine erste Anstellung als Chorknabe (Mettensänger) und nach dem Stimmbruch als Streicher. In der Musikbibliothek des Klosters hatte Bach zudem Zugang zu einer Vielzahl an Handschriften von insgesamt 175 Komponisten – deren verschiedene Stile er eifrig studierte. Doch nicht nur seine musikalische Bildung wurde in Lüneburg gefördert – Bach erwarb ebenso Kenntnisse in den Bereichen der Kultur und der höfischen Sitten. Er lernte die italienische und französische Sprache wie auch den korrekten Gebrauch der Kleidung und vieles mehr, das ihm für eine Anstellung bei Hofe von Nutzen sein würde. Johann Sebastian freundete sich zudem mit einem Lüneburger Orgelbauer an und erweiterte so seine Kenntnisse in diesem Bereich so weit, dass er später zu einem der besten Sachverständigen für den Orgelbau wurde.

Auch wurde Bach Schüler des Organisten Georg Böhm, welchen er 1701 nach Hamburg begleitete und dort regelmäßig Konzerte und Opern besuchte.

Im Folgejahr 1702 war Bachs Ausbildung an der Schule des Michaelisklosters beendet und der junge Musiker musste sich nach einer Anstellung umsehen. Diese fand er zunächst in Sangerhausen. Doch noch bevor er dort seinen Dienst antreten konnte, wurde, durch das persönliche Eingreifen des Landesherrn, ein anderer Kandidat vorgezogen.

Weimar und Arnstadt

So kam es, dass Bach zunächst für ein halbes Jahr am Weimarer Hof Herzog Johann Ernst III. als Violinist arbeitete. Im Juli des Jahres 1703 reiste Johann Sebastian Bach nach Arnstadt, um dort die Orgel von Johann Freidrich Wender in der Neuen Kirche (heute Bachkirche) abzunehmen. Dort erhielt er im August auch eine Anstellung als Organist. Seine Aufgaben (Kirchendienst und Ausbildung von Schülern) ließen Bach genug Zeit, sich seiner eigenen Musik zu widmen. So komponierte er in dieser Zeit seine ersten größeren Werke für die Orgel.

1705 reiste Bach während seines vierwöchigen Urlaubs nach Lübeck, um bei Dietrich Buxtehude zu studieren. In dieser Zeit schrieb er verschiedene Choralvorspiele, Präludien und Fugen für Orgel und Cembalo. Da Bach für diesen mehrmonatigen Aufenthalt seinen genehmigten Urlaub eigenmächtig überspannte, erhielt er eine scharfe Abmahnung von seinem Arbeitgeber.

Zwei Jahre blieb Bach noch in Arnstadt, bis er 1707 nach Mühlhausen zog, um dort als Organist in der St. Blasius-Kirche zu arbeiten. Am 17. Oktober heiratete Bach seine Cousine zweiten Grades Maria Barbara. Zudem entstand in Mühlhausen im Februar 1708 die Ratswechselkantate »Gott ist mein König« (BWV 71) – eine der wenigen Stücke die noch zu Bachs Lebzeiten gedruckt wurden.

Doch aufgrund von Streitigkeiten unter den ortsansässigen Pfarreien und mangelnden beruflichen Perspektiven blieb das Paar nur ein halbes Jahr in Mühlhausen. Im Juni 1708 kündigte Bach seine Stelle in der St. Blasius-Kirche, um eine Stelle als Hoforganist und Kammermusiker in Weimar am Hofe der Herzöge Wilhelm Ernst und Ernst August von Sachsen-Weimar anzutreten. Durch diese Doppelherrschaft war Johann Sebastian Bach nun Diener zweier Herren. Doch für diesen war dies aus beruflicher Sicht ein Glücksfall, denn so konnte er für den Älteren als Organist Kirchenchoräle und für den Jüngeren als Kammermusiker weltliche Musik komponieren. In dieser Zeit entstanden 30 Kantaten sowie mehrere Stücke für Orgel und Cembalo.

Auch in seinem Privatleben war Bach zufrieden. Im Dezember bekam das Paar ihr erstes Kind. In den nächsten sieben Jahren sollten noch sechs weitere folgen. Mit seinem musikalischen Zeitgenossen Georg Philipp Telemann pflegte Bach ein freundschaftliches Verhältnis. Es herrschte ein reger Briefwechsel zwischen beiden sowie der Austausch von Kompositionen und Notenmaterialien.

1713 entstand Bachs erste weltliche Kantate »Was mir behagt, ist nur die muntre Jagd« (BWV 208), welche zu Ehren des Fürsten Christian zu Sachsen-Weißenfels an dessen Geburtstag in Weißenfels uraufgeführt wurde. Im Folgejahr erhöhte sich Bachs Arbeitspensum noch einmal, als er zum Konzertmeister befördert wurde. Dieses Amt war an die Pflicht gebunden, jeden Monat neue Konzerte zu komponieren. Bachs Ruf als Orgelvirtuose war mittlerweile weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Im Jahre 1716 kühlte das Verhältnis zwischen dem Musiker und seinem Dienstherrn Wilhelm Ernst immer mehr ab. Bach reichte daraufhin sein Entlassungsgesuch ein – was den Herzog so verärgerte, dass er den Konzertmeister für vier Wochen ins Gefängnis werfen lies.

Am Hof in Köthen

Eine neue Anstellung fand Bach 1717 in Köthen, wo ihn Fürst Leopold von Anhalt-Köthen als Hofkapellmeister an seinen Hof berief. Hier hatte Bach musikalisch gesehen viel Freiraum, da Leopold ein großer Musikliebhaber war. Der einzige Nachteil bestand darin, dass Bach hier keine Kirchenmusik mehr komponieren konnte, da man in Köthen calvinistisch war und diese Form der Gottesdienste keine Musik beinhalteten. Daher schrieb Bach in dieser Zeit vorwiegend Unterhaltungsmusik. Es entstanden u. a. seine »Brandenburgischen Konzerte«, das »Wohltemperierte Klavier« sowie mehrere Violinkonzerte (BWV 1041-1043) und Orchestersuiten.

Im Jahre 1719 versuchte Bach zweimal mit Georg Friedrich Händel in Kontakt zu treten, wozu es aufgrund von Abwesenheit bzw. Krankheit Händels nicht kam. Tatsächlich haben sich die beiden musikalischen Genies des Barocks nie getroffen. Auch im nachfolgenden Jahr lief es für Johann Sebastian Bach am Hof in Köthen gut, doch der Tod seiner Frau Maria Barbara überschattete seinen beruflichen Erfolg.

Nach dem Trauerjahr vermählte sich Bach ein zweites Mal, diesmal mit der Hofsängerin Anna Magdalena Wilcke. Auch sein Dienstherr Leopold heiratete. Dies war für den Hofkapellmeister jedoch kein freudiger Anlass, denn das neue Eheglück des Fürsten lies dessen Interesse an der Musik schwinden. Als absehbar wurde, dass er sich in Köthen nicht mehr weiterentwickeln konnte, sah sich Bach ab 1722 nach einer neuen Stellung um.

Thomaskantor in Leipzig

Als 1723 die Stelle des Thomaskantors in Leipzig frei wurde, bewarb sich Bach auf diese. Es entsprach zwar einem sozialen Abstieg, sicherte aber für Bach die musikalische Zukunft seiner Kinder. Seinen Bewerbungsunterlagen fügte Johann Sebastian Bach, neben einem persönlich unterzeichneten und gesiegelten Empfehlungsschreiben von Fürst Leopold, seine bereits fertiggestellte musikalische Sammlung »Das Wohltemperierte Klavier« hinzu. Nach dem Vorspiel der Probekantate »Jesus nahm zu sich die Zwölfe« und der Bedingung eine Theologieprüfung abzulegen, unterzeichnete Bach am 5. Mai 1723 seinen Arbeitsvertrag und zog nach Leipzig. Dort war das Arbeitspensum des neuen Thomaskantors und »director musices« gewaltig. Zu seinen Pflichten gehörten die wöchentliche Einstudierung und Aufführung von Kantaten für den Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen – das bedeutete ca. 60 Kantaten pro Jahr. Bach schrieb in seiner Zeit in Leipzig fünf dieser Kantaten-Jahrgänge (von denen allerdings nur drei erhalten sind). Ferner zählte zu seinen Aufgaben die Organisation der Kirchenmusik an den vier Hauptkirchen der Stadt (Thomaskirche, Nikolaikirche, Neue Kirche und Peterskirche), sowie an der Paulinerkirche der Universität, das Komponieren von Passionen und Oratorien für die Hauptgottesdienste an Weihnachten, Karfreitag und Ostern, sowie die musikalische Ausgestaltung von Hochzeiten, Begräbnissen, Geburtstagen u. a. für hochrangige Mitglieder von Kirche, Stadt und Universität. Auch der Unterricht in Gesang, Musiktheorie, Instrumentalspiel, Latein und Bibelkunde waren Teil von Bachs Verpflichtungen, ebenso wie die Abnahme von Orgeln in Leipzig und Umgebung, das Prüfen von Schülern, Stadtpfeifern und Organisten sowie die Verwaltung des Instrumentariums der Stadt.

In Leipzig entstanden auch Bachs große Vokalstücke unter anderem die »Johannespassion« (1724) und die »Matthäuspassion«, welche Karfreitag 1729 uraufgeführt wurde. Mit einer Aufführungsdauer von drei Stunden ist sie Bachs umfangreichstes Werk, welches zu Lebzeiten des Komponisten jedoch kaum Beachtung fand und erst hundert Jahre später durch Felix Mendelssohn Bartholdy wiederentdeckt wurde.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entwickelte sich in den großen musikalischen Zentren Europas der Trend von bürgerlichen Konzerten. Zu deren wichtigsten Institutionen gehörten Laienmusiker, welche sich als Ensembles, einem sogenannten »Collegia Musica«, zusammenschlossen und regelmäßig private und öffentliche Konzerte gaben. Ab März 1729 übernahm Johann Sebastian Bach das 1702 von Telemann gegründete »Schottische Collegium Musicum« in Leipzig. Dieses probte und spielte regelmäßig im Kaffeehaus von Gottfried Zimmermann. Hier komponierte Bach vor allem Instrumentalmusik – auch die bekannte »Kaffeekantate«, eine Anspielung auf die Residenz des Collegiums, entstand dort. In seiner Stellung als Thomaskantor fand Bach hier zudem fähige Laienmusiker, welche ihm bei Aufführungen mit einer großen Besetzung, für die die Kapazitäten der Thomaner nicht ausreichten, aushelfen konnten.

Letzte Jahre

Im Jahr 1747 reiste Bach auf Einladung Friedrichs II. nach Berlin. Bei der abendlichen Kammermusik bat der preußische König ihn aus einem vorgegebenen Thema aus dem Stehgreif eine Fuge zu komponieren – eine Sternstunde für Bachs meisterhaftes Improvisationstalent, aus dem später das berühmte »Musikalische Opfer« entstand.

Ab 1749 verschlechterte sich Bachs Gesundheitszustand zunehmend. Seine Sehkraft lies soweit nach, dass er fast erblindete und nicht mehr in der Lage war zu schreiben und zu komponieren. In der Hoffnung wieder sehen zu können, unterzog sich Bach noch im selben Jahr einer Operation bei dem bekannten, wie auch umstrittenen Augenarzt John Taylor. Dieser konnte etwas von der Sehkraft des Musikers wiederherstellen, jedoch erlitt Bach einige Zeit später einen Schlaganfall und verstarb an dessen Folgen am 28. Juli 1750 im Alter von 65 Jahren.

Was komponierte Johann Sebastian Bach?

Bach komponierte in seinem Leben mehr als 1.000 Werke, welche der Musikwissenschaftler Wolfgang Schmieder (19011-1999) im Bach-Werke-Verzeichnis (BWV), nach Gattungen geordnet, zusammengefasst hat. Dazu gehören:

Vokalmusik:

  • 5 Passionen, davon 2 erhalten: Matthäus-Passion (BWV 244), Johannes-Passion (BWV 245)

  • Magnificat (BWV 243)

  • Weihnachtsoratorium (BWV 248)

  • Osteroratorium (BWV 249),

  • h-Moll-Messe (BWV 232)

  • 5 Jahrgänge Kirchenkantaten, davon etwa 3 erhalten

  • zahlreiche weltliche Kantaten

  • 6 Motetten

  • geistliche Lieder und Arien für Schemellis Gesangbuch (BWV 439–507)
     

Instrumentalmusik (Konzerte und Orchesterwerke):

  • zahlreiche Violinkonzerte, davon zwei erhalten (a-moll, BWV 1041; E-Dur, BWV 1042)

  • mehrere Doppelkonzerte, davon eines erhalten (d-Moll für zwei Violinen, BWV 1043)

  • Tripelkonzert für Flöte, Violine und Klavier a-Moll (BWV 1044)

  • Klavierkonzerte (Bearbeitungen eigener Violinkonzerte)

  • Konzerte für 2–4 Klaviere

  • 6 „Brandenburgische Konzerte“ (BWV 1046–1051)

  • 4 Ouvertüren (Suiten) für Orchester (BWV 1066–1069)
     

Kammermusik:

  • 3 Sonaten und 3 Partiten für Violine solo (BWV 1001–1006)

  • 6 Suiten für Violoncello solo (BWV 1007–1012),

  • 6 Sonaten für Violine und Cembalo (BWV 1014–1019)

  • 3 Sonaten für Gambe und Klavier (BWV 1027–1029)

  • Partita für Flöte solo (BWV 1013)

  • einige Sonaten für Flöte und Generalbass

  • »Musikalisches Opfer« (BWV 1079)

  • Suiten für Laute (BWV 996–999)
     

Orgelwerke:

  • rund 20 große Präludien (Toccaten, u.a. Fuge d-Moll, BWV 565)

  • Fantasien und Fugen

  • 6 Triosonaten

  • Passacaglia

  • Orgelbüchlein (BWV 599–644)

  • 21 Choralbearbeitungen „über die Catechismus- und andere Gesänge“ (aus: Klavierübung III, BWV 669–689)

  • 6 Choräle (BWV 645–650)

 

Klaviermusik:

  • »Das wohltemperierte Klavier“, 1. Teil (BWV 846–869) und 2. Teil (BWV 870–893)

  • 15 zweistimmige Inventionen und 15 dreistimmige Sinfonien (BWV 772–801)

  • Chromatische Fantasie und Fuge d-Moll (BWV 903)

  • 6 „Englische Suiten“ (BWV 806–811)

  • 6 „Französische Suiten“ (BWV 812–817)

  • 6 Partiten (aus: Klavierübung I, BWV 825–830)

  • Overtüre nach Französischer Art und Italienisches Konzert (aus Klavierübung II, BWV 831 und 971)

  • Goldberg-Variationen (aus: Klavierübung IV, BWV 989)

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