Wallfahrtskirche St. Maria in Bethen: Kirche mit roten Klinkersteinen und weißen Pfeilern

St. Maria, »Mutter der Sieben Schmerzen«

Wallfahrtskirche in Bethen

Im Westen Niedersachsens liegt der nördlichste Marienwallfahrtsort in Deutschland: Die Wallfahrtskirche St. Marien, Mutter der Sieben Schmerzen in Bethen.

Geschichte der Wallfahrt zur »Mutter der Sieben Schmerzen«

Die Legende des Gnadenbilds

Der Legende nach sollen Bauern das Vesperbild entdeckt haben, als es auf dem Fluss Soeste stromaufwärts trieb. Sie bargen die Holzfigur aus dem Wasser und erkannten, dass es sich um eine Darstellung Marias mit dem Leichnam Jesu handelte. Die Bauern waren von einem Wunder überzeugt und wollten die Pietà mit ihrem Pferdekarren zur Kapelle des Gutshofs Lethen bringen.

Als sie jedoch an dem Dorf Bethen vorbeikam, scheuten die Pferde und ließen sich nicht zum Weitergehen bewegen. Wieder deuteten die Bauern dies als Wunder und beschlossen, dass die Muttergottes an diesem Ort verehrt werden sollte.

Die Bethener Wallfahrtstradition reicht bis ins späte Mittelalter zurück. Verehrt wird ein Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes aus Eichenholz aus dem späten 14. Jahrhundert. Die Pietà zeigt die Gottesmutter Maria mit dem Leichnam Jesu, der vom Kreuz abgenommen wurde und in ihrem Schoß liegt.

Wie die Marienfigur nach Bethen gekommen ist, ist historisch nicht eindeutig geklärt. Die erste Wallfahrt zum Bether Gnadenbild ist für das Jahr 1448 urkundlich belegt. In den darauffolgenden Jahrhunderten hat sich eine reiche Wallfahrtstradition entwickelt.

Die Bether Wallfahrt von der Reformation bis zum Dreißigjährigen Krieg

Von der ersten Wallfahrt bis zur Reformation pilgerten zahlreiche Menschen zu der kleinen Kapelle mit dem Gnadenbild. Als die Gegend um die Stadt Cloppenburg im Zuge der Reformation 1543 protestantisch wurde, ließen die Wallfahrten Bethen nach und gerieten schließlich beinahe in Vergessenheit. Als Bethen durch die Gegenreformation 1613 wieder katholisch wurde, verhinderte der bald darauf beginnende Dreißigjährige Krieg die Wiederaufnahme der Wallfahrten.

Während des Krieges wurde Cloppenburg erst von dänischen, später von schwedischen Streitkräften besetzt. In den Wirren des Krieges verfiel die Kapelle, manche Quellen berichten auch, dass sie zerstört wurde oder niederbrannte, genau ist dies nicht belegt. Das Gnadenbild hatte man glücklicherweise in Sicherheit gebracht.

17.–19. Jahrhundert: Hochzeit und Rückgang der Pilgerfahrten nach Bethen

Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde das Gnadenbild 1652 feierlich in ein neues provisorisches Bethaus, welches in der Nähe der abgebrannten Kapelle errichtet wurde, überführt.

Carl Othmar von Grothaus, der Droste (Amtmann) des Amtes Cloppenburg, ließ 1669 die heutige Gnadenkapelle wieder aufbauen. Sie wurde im selben Jahr vom Münsteraner Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen geweiht, der auch den Altar stiftete. Als Schutzheilige wählte man die Gottesmutter Maria und den heiligen Antonius von Padua.

Ab Mitte des 17. bis Mitte des 18. Jahrhunderts erlebte die Wallfahrt nach Bethen eine Hochzeit. Mit der aufkommenden Aufklärung machte sich ab 1750 ein neuer Zeitgeist bemerkbar und  die Zahl der Wallfahrer nahm kontinuierlich ab.

Nach 1850 fanden beinahe keine Pilgerfahrten mehr fast. Nur die Fronleichnamsprozessionen und die Prozession am Fest Mariä Geburt blieben als Rest der früheren Wallfahrten bestehen.

Pilgerströme während der Weltkriege

Im Ersten Weltkrieg erfuhr die Wallfahrt zur »Mutter der Sieben Schmerzen« einen enormen Aufschwung. Aus Bethen und Umgebung pilgerten Frauen und Kinder zum Gnadenbild, um für ihre Männer, Väter und Brüder im Krieg zu beten. Bald kamen Menschen aus dem ganzen Münsterland, die die Gottesmutter um den Schutz ihrer Angehörigen baten.

Die kleine Gnadenkapelle wurde bald zu klein für die Menge an Wallfahrer. So wurde noch während des Ersten Weltkrieges der Bau einer neuen Wallfahrtskirche mit Krypta beschlossen, die 1929 geweiht wurde.

Politische Wallfahrten im Dritten Reich

Der Löwe von Münster

Clemens August Kardinal von Galen (* 18.3.1878, † 22.3.1946) war von 1933 bis 1946 Bischof von Münster. Im Dritten Reich setzte er sich vehement gegen die Rassenideologie der Nationalsozialisten ein. Durch seine Kritik am NS-Staat und vor allem durch seine Predigten gegen die sogenannte Euthanasie, die Ermordung von Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen, wurde er zu einer Symbolfigur des Widerstands in Westfalen und erhielt den Beinamen »Löwe von Münster«.

Von Galen wurde im Februar 1946 zum Kardinal, kurz darauf starb er im März 1946. Am 9. Oktober 2005 wurde Kardinal von Galen seliggesprochen.

In der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft entwickelten sich die Wallfahrten nach Bethen zu einer politischen Angelegenheit. Der Münsteraner Bischof Clemens August von Galen kritisierte bei einer Männerwallfahrt 1934 vor 25.000 Teilnehmern öffentlich die NS-Rassenideologie und erklärte die Idee des Nationalsozialismus für unchristlich.

1936 rief der Kaplan Franz Uptmoor in seiner Predigt in Bethen zum Widerstand gegen die Pläne der Regierung, die Kreuze aus den Schulen zu entfernen, auf. An sogenannten Bekenntnistagen zeigten die Pilger immer wieder öffentlich ihr Bekenntnis zu Jesus anstatt zum Nationalsozialismus.

Die Gnadenkapelle mit Gnadenbild

Das Gnadenbild der Gottesmutter befindet sich heute in der Gnadenkapelle. Es ist 111 cm groß und aus Eichenholz gefertigt. Die Pietà zeigt Maria, die mit einem liebevollen Gesichtsausdruck den toten Sohn in ihrem Schoß betrachtet. Untersuchungen der Farbe haben ergeben, dass das Gnadenbild um 1400 entstanden ist.

Die Kapelle selbst ist ein Saalbau mit 3/8-Chorschluss aus verklinkertem Ziegel, das Dach ist mit Schiefer gedeckt.

Wallfahrtskirche St. Marien

Auch die Wallfahrtskirche hat ein schlichtes Äußeres aus rotem Klinker, lediglich unterbrochen von einigen weißen Strebpfeilern. Im Inneren beeindruckt den Besucher ein kunstvoll gestaltetes Mosaik des Gnadenthrons, das die Stirnseite der Apsis bedeckt.

Davor steht ein alter Zelebrationsaltar aus Marmor, der nach dem II. Vatikanischen Konzil eine Anpassung seiner Form durch den Cloppenburger Bildhauer Clemens Dierkes erfuhr. Die Frontseite beinhaltet zusätzlich ein kostbares Reliquar mit Reliquien der Heiligen Venustus, Grata, Maria Goretti, Papst Pius X. und Bonifatius.

An hohen Festtagen kann in der Basilika ein ganz besonderer Schatz bestaunt werden. Kardinal von Galen fühlte sich dem Wallfahrtsort Bethen in besonderer Weise verbunden und vermachte der Pfarrgemeinde seinen Primizkelch. Dieser wird bis heute an besonderen Festtagen im Gottesdienst noch benutzt. In der Krypta wird außerdem ein künstlerisch gestaltetes Reliquiar des seligen Kardinal von Galen verwahrt.

Ebenfalls in der Krypta befindet sich eine Gedenkstätte für die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege. Die Namen der Opfer des Ersten Weltkrieges sind in die Marmorwände der Krypta geschlagen. Die Verstorbenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges sind in einem Buch verewigt.

Die Wallfahrtskirche wurde 1977 von Papst Paul VI. zur »Päpstlichen Basilica minor« erhoben.

Antoniuskapelle

Dicht bei der Gnadenkapelle steht die Antoniuskapelle aus dem Jahr 1868. Ursprünglich diente die Kapelle aus überdachter Außenaltar, an welchem die Heilige Messe gefeiert wurde, wenn die Zahl der Pilger für die Gnadenkapelle zu groß war.

Heute befindet sich in dem sechseckigen Zentralbau eine Figur des heiligen Antonius von Padua.

Wallfahrten zum Bether Gnadenbild

Das Bether »Mutter der Sieben Schmerzen« ist auch heute noch Ziel zahlreicher Wallfahrten. Über das Jahr verteilt gibt es viele unterschiedliche Wallfahrtsangebote. So gibt es z. B. eine Wallfahrt für Reiter und Kutschfahrer, eine Oldtimer- und Motorradfahrerwallfahrt mit Fahrzeugsegnung, eine Fahrradfahrerwallfahrt oder eine Wallfahrt für Schützenvereine.

Eine besondere Tradition sind außerdem die Antoniusdienstage. An den neun Dienstagen vor Palmsonntag werden Votivmessen zu Ehren des heiligen Antonius von Padua gefeiert.

Besucher können sich auf der Internetseite der Kirchengemeinde St. Marien Bethen über das aktuelle Programm informieren.

Kontakt und weiterführende Informationen

Adresse:

Katholische Kirchengemeinde St. Marien Cloppenburg-Bethen

An der Wallfahrtskirche 5
49661 Cloppenburg-Bethen

Telefon: 0 44 71 / 70 10 00
E-Mail: pfarrbueronoSpam@stmarien-bethen.de

Homepage: www.stmarien-bethen.de

Öffnungszeiten:

Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag 09.00 – 12.00 Uhr
Montag, Dienstag und Donnerstag 15.00 – 17.00 Uhr
Mittwoch geschlossen

Anreise:

Auto:

Aus Richtung Osnabrück oder Bremen
A1 Münster - Bremen, Abfahrt Cloppenburg, dann B72/B213 Richtung Lingen/Cloppenburg an der Abfahrt Cloppenburg-Bethen und den Wegweisern »Bethen« folgen.

Aus Richtung Oldenburg
A29 bis Abfahrt Ahlhorn, dann B213 bis Bethen.

Aus Richtung Lingen
B213 bis Abfahrt Cloppenburg-Bethen, dann der Beschilderung »Bethen« folgen.

Bahn:

Bahnhof Cloppenburg an der Strecke Oldenburg – Osnabrück (stündliche Verbindung in beide Richtungen)

Quellen

  • Klingner, Dirk: Reiseführer Wallfahrtsorte - Raststätten für die Seele, Leipzig 2015
  • www.stmarien-bethen.de
  • www.thuelsfelder-talsperre.de
  • www.bethen.de
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